
Ernährung & Physiotherapie:
Warum EssenTeil Ihrer Reha ist
Physiotherapie setzt den Trainingsreiz – Ihre Ernährung liefert die Energie und Baustoffe, damit Ihr Körper daraus Muskeln aufbauen und Gewebe reparieren kann. Ob nach einer Operation, einer Verletzung oder beim gezielten Kraftaufbau: Wer trainiert, aber zu wenig isst, regeneriert schlechter und verliert leichter Muskelmasse.
Das 3-Säulen-Prinzip
- Physiotherapie = Trainingsreiz
- Ernährung = Energie und Baustoffe
- Schlaf = Erholung und Anpassung
Eiweiß: Baustoff für Muskeln und Gewebe
Eiweiß liefert Aminosäuren für Muskeln, Enzyme, Abwehrzellen und Reparaturprozesse. In der Reha, im höheren Alter oder bei Erkrankung gelten etwa 1,2–1,5 g Eiweiß pro kg Ziel- oder Referenzgewicht und Tag als gute Orientierung. Zum Vergleich: Gesunde Erwachsene brauchen laut DGE 0,8 g/kg, ab 65 Jahren 1,0 g/kg.
Beispiel: 70 kg × 1,2–1,5 = etwa 84–105 g Eiweiß pro Tag
Sie müssen nicht abwiegen – planen Sie einfach zu jeder Hauptmahlzeit eine Proteinquelle ein:
- Frühstück: Skyr, Quark, Joghurt oder Eier
- Mittag: Fisch, Fleisch, Tofu oder Hülsenfrüchte
- Abend: Vollkornbrot mit Ei, Hüttenkäse oder Bohnen
Merksatz: Eiweiß über den Tag verteilen – nicht abends alles nachholen. Bei Nieren- oder Lebererkrankungen eine höhere Eiweißzufuhr bitte vorher ärztlich abklären.
Kohlenhydrate: Energie für Bewegung
Ohne genug Energie nutzt der Körper Eiweiß als Brennstoff statt als Baustoff. Kohlenhydrate liefern diese Energie schnell – gespeichert als Glykogen. Für Erwachsene mit leichter bis moderater Belastung sind 3–5 g pro kg Körpergewicht und Tag eine grobe Orientierung.
Beispiel: 70 kg × 3–5 = etwa 210–350 g Kohlenhydrate pro Tag
Bei Übergewicht, Diabetes oder wenig Bewegung sollte die Menge individuell angepasst werden. Gute Quellen sind Kartoffeln, Haferflocken, Vollkornbrot und -nudeln, Reis, Obst und Hülsenfrüchte.
- Vor einer kurzen, leichten Einheit reicht eine normale Mahlzeit.
- Vor einer anstrengenden Einheit: z. B. Banane mit Joghurt oder ein belegtes Brot.
- Danach: eine normale Mahlzeit mit Eiweiß und Kohlenhydraten.
Ballaststoffe und Fette
Ballaststoffe fördern Verdauung, Sättigung und Darmgesundheit. Richtwert der DGE: mindestens 30 g pro Tag – durch Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen. Steigern Sie die Menge langsam und trinken Sie ausreichend dazu.
Fette braucht Ihr Körper für Zellmembranen, Hormone und die Aufnahme fettlöslicher Vitamine. Rund 30 % der Energie aus Fett sind laut DGE ein guter Richtwert, bei hohem Energiebedarf bis zu 35 %. Entscheidend ist die Qualität: Raps- und Olivenöl, Nüsse, Avocado und Fisch bevorzugen – Frittiertes, Wurstwaren und Transfette seltener.
Tipp: Öl mit dem Esslöffel abmessen statt direkt aus der Flasche gießen.
Körperfett und Entzündungen
Fettgewebe – besonders Bauchfett – ist biologisch aktiv und kann Botenstoffe freisetzen, die eine dauerhafte, niedriggradige Entzündung fördern. Das ist etwas anderes als die akute Entzündung nach einer Verletzung, die zur normalen Heilung gehört.
Eine anhaltend erhöhte Entzündungsaktivität kann Stoffwechsel, Muskelfunktion und Regeneration beeinträchtigen. Das heißt aber nicht, dass jeder mit mehr Körperfett automatisch schlechter heilt. Entscheidend sind das gesamte Ernährungsmuster, die Fettqualität und ausreichend Bewegung.
Vitamine, Mineralstoffe und Trinken
Mikronährstoffe unterstützen Knochen, Muskeln, Nerven, Blutbildung und Wundheilung – etwa Vitamin C (Kollagenbildung), Eisen, Zink, Calcium, Vitamin D, B12 und Magnesium. Die Basis ist eine abwechslungsreiche Ernährung; Nahrungsergänzungsmittel sind vor allem bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll.
Auch Trinken zählt: Zu wenig Flüssigkeit macht müde und senkt die Belastbarkeit. Bringen Sie Ihre Trinkflasche mit zur Physiotherapie.
Im Winter an Vitamin D denken: Durch weniger Sonne bildet der Körper weniger Vitamin D – besonders bei wenig Zeit im Freien oder im höheren Alter. Eine Einnahme sollte sich am persönlichen Risiko und ggf. am Blutwert orientieren; hoch dosierte Präparate braucht nicht jeder.
Die einfache Teller-Methode
- ½ Teller: Gemüse oder Salat
- ¼ Teller: Proteinquelle
- ¼ Teller: Kartoffeln, Reis, Vollkorn oder Hülsenfrüchte
- Dazu: etwas pflanzliches Öl, Nüsse oder Samen
Das ist keine starre Regel – Portionen sollten zu Ihrer Aktivität und Ihren Bedürfnissen passen.
Fazit
Physiotherapie setzt den Reiz – Ernährung ermöglicht die Anpassung. Ernährung ersetzt keine Therapie, aber ein gut versorgter Körper kann Muskulatur besser erhalten, Belastungen besser verarbeiten und Reparaturprozesse unterstützen. Achten Sie deshalb nicht nur auf Ihre Übungen, sondern auch auf Ihren Teller.
Sie haben Fragen zu Belastung und Regeneration? Sprechen Sie uns gern in Ihrer nächsten Behandlung an oder vereinbaren Sie online einen Termin bei PhysioWerk. Bei speziellen Ernährungsfragen, etwa bei Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen, sind Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bzw. eine Ernährungsfachkraft die richtigen Ansprechpartner.
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